Wie schön, dass eine BMW den Boxermotor hat mit den beiden abstehenden „Ohren“. Oder wie man das sonst so nennt. Eignen sich diese doch hervorragend als Stützen für einen Highsider, bei welchem das Motorrad auf dem Zylinder, dem Lenkerende und der hinteren Packtasche auf der Straße entlang rutscht.
Ein Highsider ist also ein heftiger Sturz mit dem Motorrad, bei dem das Hinterrad erst zur Seite rutscht und dann plötzlich wieder Grip bekommt. Durch diesen abrupten Kraftwechsel schleudert es den Fahrer wie bei einem Rodeo-Ritt hoch und oft im hohen Bogen über die Maschine hinweg.
Der „plötzliche Grip“ kam erst über den Bordstein wieder, an dem die BMW nach einer 180 Grad Pirouette mit den Rädern anprallte. Da war ich dann aber schon über beide Spuren der A66 bis zur Mittelleitplanke gerutscht.
Das war das erste sichtbare Ergebnis meines Sturz auf Bitumen in Regen und Dunkelheit abends am 30.09.2025 um 17:57 Uhr mit meiner BMW R1200 GS in einer Auffahrt zur A66.

Da dort eine Regenrinne war, hat sich die BMW mit beiden Reifen „abgefedert“ und ist nicht noch über die Längsachse geflippt sondern kam zum Stillstand.
Dann erst mal bewusstlos – bis mich dann jemand wieder wachgerüttelt hat. Ich lag mit dem Rücken auf dem weichen Grasboden zwischen dem Wirbelsäulenspalter Bordstein und dem Häcksler Leitplanke.
Noch – wen es interessiert, ein paar denke ich interessante Fotos zu dem Gedanken „das ist doch gut fahrbar“ wenn man im Dunkeln unterwegs ist und die Fahrbahn nass und schwarz.

Das ist die Kurve …. das rote Kreuz ist der Punkt wo sie anfing, hinten wegzudrehen. Danach begann der Rutscher über beide Fahrspuren über eine von der Polizei vermessene Strecke von 22 Metern auf dem rechten Zylinder der BMW, wobei ich mich noch einmal um die eigene Achse um 180 Grad drehte.

Und da bin ich dann vor der Leitplanke am Bordstein mit den Rädern eingeschlagen, allerdings war ich dann sofort bewusstlos. Ich habe nur das Geräusch von Metall und Kunststoff, wie es auf dem Asphalt rutscht in Erinnerung und den Knall vom Einschlag.

Jetzt wird es interessant, ich hab das Kreuz zu weit außen hingemalt. und da kommt dann schon der erste LKW … Keine Chance, der macht einen zu Hackfleisch.

Und DAS siehst man im Dunkeln und im Regen nachts NICHT aber deswegen fliegst man ab! Hier wurde mit Bitumen eingegossen und ein Frostschaden ausgegossen. Das Vorderrad läuft da och drüber, aber hinten dreht der Arsch ein. Also für mich auch eine Erkenntnis, die BMW ist – wenn sie rutscht – zu hecklastig.
Irgend einen Knall hatte ich noch mitbekommen, aber sonst nichts mehr. Ich weiß noch einen Gedankenfetzen der Art „das war’s wohl jetzt“.
Die gesamte Nummer war schwer zirkusreif und geht nur einmal im Leben. In der Regel ist man dabei tot, weil der nachfolgende Verkehr einem den Garaus macht und überrollt. Ich hatte ein Riesenglück, hervorragende Ersthelfer welche SOFORT den Verkehr nach hinten abgesichert haben und tausend Schutzengel. Das Ganze passierte um kurz vor 18 Uhr schon in der beginnenden Dunkelheit.
Ich kann es immer noch nicht so richtig begreifen, Angesichts der Härte des Sturzes keine Brüche, nur Prellungen und ganz leichte Zerrungen. Naja, ich konnte ein halbes Jahr nicht beide Daumen richtig und schmerzfrei bewegen. Aber, so what …
Könnte daran liegen, dass ich lange Zeit einen Kampfsport ausgeübt habe – Fallen können – und doch viel im Gelände gefahren bin. Da sind manchmal Abflüge angesagt und man lernt das Fallen. Ich glaube, was mich auch gerettet hat, war eisern auf dem Motorrad zu bleiben und den Slide mit dem Motorrad bis zur Leitplanke hin auszustehen.
Wäre ich auf der Fahrbahn zu liegen gekommen, ich denke, das wäre mein Ende gewesen. Da waren ja auch LKW mit Sattelauflieger unterwegs. Den RTW (Rettungswagen) habe ich wieder heimgeschickt. Aber mithin, ohne den geistesgegenwärtigen Ersthelfer und dem Transporter-Fahrer, der ausweichen konnte, würde ich das hier nicht schreiben können.

Vor einigen Jahren ist an selber Stelle eine junge Frau mit demselben Unfallmuster tödlich verunglückt. Schön ist, dass die Behörden jetzt Warnschilder aufgestellt haben, aber der heimtückische Bitumenstreifen auf der Ideallinie ist immer noch vorhanden.
Mental geht es einigermaßen, Motorrad wird weiter bewegt und ich war „schon“ wieder unterwegs. Es wirkt aber nach. Wenn mir im Auto Fahrzeuge zu schnell auf der Landstraße und noch zu weit links entgegenkommen, zucke ich instinktiv zusammen und gehe in eine beginnende Ausweichbewegung am Lenkrad.
Motorrad ist mit dem Sturz komischerweise kein Thema. Vielleicht sollte ich doch mal neue Reifen kaufen. Da habe ich nicht drauf geachtet. Die Dinger sind selten auf Autobahn gefahren und noch gut rund an den Seiten. Aber der Gummi wird hart nach 5 Jahren. Das war der Denkfehler. Ich war ja 2 Jahre lang schwer bettlägrig und bin trotzdem immer wieder mal für eine Stunde aufs Motorrad. Wenn es mental gar nicht mehr ging. Auch mit Katheter in der Blase. War mir egal, man muss halt auf wenn es über Kanaldeckel oder sonstige Unebenheiten geht, die Bauchmuskulatur anspannen.
