Irgendwann gab ich nach und machte einen Termin beim Urologen. Nach etwa 20 Minuten im Wartezimmer kam ich innerhalb weniger Minuten mit der Diagnose „Sie bekommen Ihre Blase nicht leer und haben eine Prostatavergrößerung – das ist in Ihrem Alter normal“ und einem Rezept für Tamsulosin wieder aus der Praxis. Das war eine doppelt unheilsame – im wahrsten Sinne des Wortes „unheilsame“ Botschaft.
Erstens hatte ich keine Prostatavergrößerung. Es war nicht die Engstelle. Fehldiagnose. Ja, die Blase wurde nicht leer. Aber hätte er die Keimzahlen im Urin untersucht, dann hätte er die nicht ausgeheilte, immer aufkeimende Blasenentzündung erkannt. Aber das ist eine andere Geschichte, oder besser eine längere.
Das Organ Blase steht symbolisch für das Festhalten an Dingen oder das Loslassen von emotionalem Ballast, wobei die Blase oft als Organ der Gefühle betrachtet wird, das auf psychischen Stress reagiert.
Ich war zwar frustriert über die Diagnose, aber dennoch erleichtert, da ich endlich eine Erklärung für meine Symptome hatte. Nachdem ich das Tamsulosin zwei Wochen lang eingenommen hatte, bemerkte ich erste Verbesserungen. Die Symptome wurden besser.
Gleichzeitig traten aber auch unangenehme Nebenwirkungen auf:
• Mir wurde öfter schwindelig
• Ich bekam ständig Kopfschmerzen
• Ich war den ganzen Tag über müde
Das quälte mich noch mehr als meine anfänglichen „Prostatabeschwerden“ – also blieb mir nichts anderes übrig, als das Tamsulosin abzusetzen. Ich machte erneut einen Termin beim Urologen und erzählte ihm von meinen schlechten Erfahrungen mit Tamsulosin und den Nebenwirkungen, die meinen Alltag manchmal schlimmer beeinträchtigten.
Daraufhin hatte er mir Finasterid verschreiben – ein anderes Prostatamedikament. Als er mir die möglichen Nebenwirkungen erklärte, lief es mir kalt den Rücken runter:
„Neben den üblichen Nebenwirkungen wie Schwindel und Kopfschmerzen kann Finasterid auch zu Libidoverlust, Erektionsstörungen und Depressionen führen – und das manchmal sogar dauerhaft, selbst nach dem Absetzen des Medikaments.“
In diesem Moment wurde mir endgültig klar: Medikamente kommen für mich nicht mehr infrage! Die Vorstellung, ein Problem mit einem anderen zu bekämpfen – und vielleicht sogar neue, langfristige Probleme zu schaffen – erschien mir plötzlich absurd. Es musste einen besseren Weg geben, einen, der die Ursache angeht, nicht nur die Symptome. Im Nachhinein war das die richtige Entscheidung, denn wie ich bald herausfinden sollte: Diese Medikamente behandeln nur die Symptome, nicht die Ursache.
In einem Zeitraum von 2 Jahren wurde mir verschrieben:
Tamsulosin, Dutasterid, Tadalafil, DUTA TAMSAXIRO, Vardenafil, Ubretid, MYOCHOLINE-Glenwood, UBRETID, CEFPODOXIM Stada (Harnwege), NFEKTOTRIMED, NIFURANTIN (Harnwegsentzündungen), CEFUROX BASICS 500, COTRIM CT-800, Amoxi-Clavulan 875 125, Spasmex 15mg, Solfenacin.
Horror. Ich war angekommen in der knallhart chemisch therapierenden Medizin. War es wirklich das kleinere Übel? Ich denke, es war eine komplette Fehlentscheidung, diese Medikamente zu schlucken. Auf Dauer veränderte sich mein Körper. Sogar jetzt nach 2 Jahren spüre ich die Folgen der Medikamente in mir noch immer.
