Ich wurde sehr krank im Frühjahr 2022. Es war mein Urologe, der feststellte, dass ich die Blase nicht leer bekomme. Das war eigentlich nur so ein Satz, dessen gesundheitliche Tragweite und Folgen auf mein Leben ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht ahnen konnte. Zwei Jahre lang hat mir nach Erstdiagnose mein Urologe diesen üblichen Medikamentencocktail verschrieben, eine gesamte Horrorliste an Chemie und Alphablockern. Bis ich dann entschied, dem Zustand, immer wieder neue Nebenbeschwerden verschrieben zu bekommen, ein Ende zu setzen.
Ich wurde dann recht spät im Mai 2024 das erste Mal operiert, insgesamt waren bis zur letzten OP in Essen 5 Operationen.
Real war ich wegen des Verschlusses der Harnröhre insgesamt über 2 Jahre mit einem Blasenkatheter versorgt. Dieser wird über dem Schambein mit einer Sonde von außen in die Blase gestochen und dann eingeführt und bleibt dann in der Blase und muss regelmäßig gewechselt werden.
Es war mithin eine extrem schwere Zeit. Auch nach der Entlassung nach der letzten Operation in 2025 wurde mir gesagt. „Der Patient wurde jedoch darüber informiert, dass der Therapieerfolg, insbesondere hinsichtlich der Inkontinenz und Restharnbildung, fraglich sei“.
Ein Kathether ist das kleine rote Ding. Es verursacht eigentlich immer höllische Schmerzen in der Bewegung. Ich konnte am Tag nur 4 Stunden etwas tun und arbeiten, die Wohnung sauber machen, oder kurz einkaufen fahren. Einfach hinaus gehen in die Natur und länger laufen, es war unmöglich. Trotzdem bin ich irrer und lebenshungriger Vogel damit sogar Motorrad gefahren. Man muss halt vor jedem Kanaldeckel beim Überfahren die Bauchmuskulatur anspannen, sonst ist der Schmerz nicht gerade erträglich. Der Katheter schabt in der Blase und die Blaseninnenwand entzündet sich. Keine Chance. An manchen Tagen war Autofahren – besonders mit dem Smart – war nicht mehr möglich, jeder Kanaldeckel oder jedes Schlagloch gab einen Schmerz.
Gar nicht davon reden will ich, dass es ein extremes Entzündungsrisiko ist. Die Wunde in den Körper eitert oft, wegen der Keime des Urins und damit gibt es eine nahezu tödliche Gefahr, wenn sich alles entzündend und nicht mehr ausheilt. Das war mein Zustand. Und dieser dauerte bis in den April und noch in den späten Sommer 2025.
Der absolute Hammer war dann doch Fulda im März 2025 welche nach einem Scheitern der OP – ich wurde mit angeschnittenen Blasenhals inkontinent aus der Klinik entlassen – einen erst möglichen vierten Operationstermin im Januar 2026 vorgeschlagen haben. Das hätte ich nicht überlebt. Da wäre die Blase und die Körperfunktionen so beschädigt worden, da einfach der Körper diese Funktionen abstellt wie eine Maschine. Wenn die Blase nur über den Katheter entleert wird und das über Jahre, dann verliert sie die Fähigkeit zur Kontraktion.
Ich musste etwas unternehmen und zwar schnell. So startete ich einen Rundumschlag mit Anfragen an Urologische Kliniken ob ich kurzfristig operiert werden könnte, und zwar nach der YV-Plastik-Methode. Ich habe mich selbst dazu informiert, mein Urologe hätte mich wieder konventonell operieren lassen wollen.
Die letzte Operation in Essen war sehr belastend, aber auch die absolut richtige, einsame Entscheidung von mir. Es gab dazu erheblichen Streit mit meinem Urologen, weil ich diese Operationsmethode mir selbst ausgesucht hatte und auch selbst aktiv wurde, endlich eine Klinik zu finden, die mich auch schnell operieren kann. Sehr zeitnah kam dann die Zusage zur vierten OP in Essen, wo erst mal die Schäden aus den vorherigen Operationen beseitigt wurden. Danach ging der Blasenhals wieder zu und ich bekam wieder den Kathether in die Blase gestochen.
Essen reagierte schnell. Ich war jetzt „reif“ für den großen Eingriff. Die YV-Plastik. Die letzte 5.te Operation in Essen war schon sehr belastend. Man geht hinein und die Hoffnung überwiegt. Erst nach der Operation wurde mir gesagt, dass es die am meisten den Patienten belastende Operation ist, welche sie in Essen in der Urologie machen.
DaVinci Blasenhalsrekonstruktion YV-Plastik
Ja, ich bin dann also aus der Klinik entlassen, nachdem mir vor der 4.ten Operation in Essen noch eine junge Frau vorher auf den Smart von hinten aufgefahren ist und den Smart komplett zerstört hat. Aber ich war ja operiert und habe dann langsam und vorsichtig begonnen den Smart wieder zu reparieren.
https://c-work.de/sql9_wp/2025/09/27/smartie-bumm/
Also, ich kämpfe mich ins Leben zurück. Die Körperfunktionen – die der Blase und die Fähigkeit zur Erektion kommen wieder zurück. Ich bin natürlich traumatisiert, es war das letzte halbe Jahr und ist es immer noch eine große Angst, dass es wieder zuwächst, vorhanden gewesen.
Ich war aber glücklich, denn ich konnte noch ein wenig den restlichen Sommer genießen und auch wieder Motorrad fahren. Diese Freude führte dann wohl zu einem fast tödlichen Unfall. Es war meine Übermüdung – ich kann aktuell lange nicht mehr so viel am Tag arbeiten wie früher, weil mein Körper immer noch Kraft verwendet um sich zu erholen.
Kein Wunder. 3 Operationen und zwei Unfalle. Wenn es sonst nichts ist …
